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Rollout der Elektronischen Arztvisite in Pflegeheimen

28.06.2017 09:15
Die Elektronische Arztvisite (elVi) in Pflegeheimen soll nach einer erfolgreichen Testphase in Bünde (OWL) ab 1. Juli nun auch sukzessive auf andere Praxisnetzregionen in Westfalen-Lippe ausgeweitet werden. Der entsprechende Vertrag dazu wurde am 27. Juni von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe und der AOK Nordwest in Dortmund unterzeichnet.

AOK-Vorstandschef Tom Ackermann ist von "elVi" und deren großen Entwicklungsmöglichkeiten überzeugt: "Das Projekt hat großes Potential und wird mit dazu beitragen, die medizinische Versorgungsqualität älterer Menschen weiter zu verbessern. Davon bin ich überzeugt. Unser Ziel ist es, jetzt als größte gesetzliche Krankenkasse voranzugehen und zunächst exklusiv für unsere Versicherten kostenfrei die elektronische Arztvisite anzubieten." Dazu werden in den nächsten Monaten einzelne Arztnetze und Pflegeheime angesprochen. Im weiteren Verlauf sollen dann auch ambulante Pflegedienste eingebunden werden.

KVWL-Vorstandsmitglied Thomas Müller freut sich, dass mit der AOK Nordwest ein starker Partner für dieses innovative Versorgungsprojekt gefunden wurde. ",elVi' hat bewiesen, dass telemedizinische Anwendungen in Zeiten einer älter werdenden Gesellschaft Ärzte bei ihrer Arbeit entlasten können - und das bei gleichbleibend hoher Qualität. Deshalb wollen wir ,elVi' jetzt gemeinsam mit der AOK und den Ärztenetzen zum Wohle der Patienten flächendeckend im Zusammenhang mit regionalen Pflegeheimverträgen einführen", so Müller.

Im Ärztenetz MuM - Medizin und Mehr eG in Bünde (OWL) wurde "elVi" bereits erfolgreich getestet. In dem von der KVWL finanzierten Modellprojekt führen die teilnehmenden Arztpraxen auf Anfrage der Pflegekräfte in bislang 13 Pflegeheimen der Region eine elektronische Arztvisite durch. Der niedergelassene Arzt und die verantwortliche Pflegekraft halten dann über ein webbasiertes Videokonferenzsystem per Tablet oder PC eine elektronische Arztvisite ab, um Unklarheiten, Medikationsanfragen, Beurteilungen chronischer Wunden oder Therapievorschläge zu besprechen.

Dabei gibt es eine Live-Schaltung zwischen der Arztpraxis und der stationären Einrichtung. Die elektronische Visite kann bei Bedarf um die Erfassung von Vitalparametern wie Herzrhythmus, Sauerstoffspannung, Körpertemperatur oder Blutzuckergehalt des Patienten ergänzt werden. Diese werden in Echtzeit über Messgeräte erhoben und sind dem Arzt sofort zugänglich. Die erforderlichen Datenschutz- und Qualitätsstandards werden dabei erfüllt. Jedoch könne "elVi" nicht jeden Arztbesuch ersetzen. Aber durch die moderne Technik könnten die Ärzte schnell sehen, wie es dem Patienten geht und dann konkret helfen.

Ackermann und Müller betonen, dass die elektronische Visite nicht nur hohes Potenzial in der Versorgung habe, sondern auch zu einer Reduzierung von Krankenhauseinweisungen in der Nacht oder am Wochenende führe. Darüber hinaus könne die Zahl von nicht zwingend erforderlichen Arztbesuchen deutlich reduziert werden. Dies entlaste die niedergelassenen Ärzte. So gelinge es, dass der Arzt auf der einen Seite Zeit spare und gleichzeitig häufiger bei seinem Patienten sein könne.

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