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Pflege bewegt die Wähler – aber auch den Wahlkampf?

10.07.2017 12:09
Seit einer Woche liegen die Programme der Parteien zum Bundestagswahlkampf vollständig vor. Das Thema Pflege wird aber bisher kaum aufgegriffen. Das könnte ein Fehler sein. Denn laut einer repräsentativen Befragung des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) ist für immerhin fast die Hälfte (43 Prozent) aller Deutschen die Lebenssituation älterer und pflegebedürftiger Menschen sehr wichtig für ihre Wahlentscheidung im September. In der besonders relevanten Altersgruppe 50+ als größte Wählergruppe geben dies sogar 53 Prozent an.

„Auf den zurückliegenden Pflegereformen können wir uns nicht ausruhen. Die drängenden Probleme in der Pflege werden in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Denn die Generation der „Baby-Boomer“ wird immer stärker mit der eigenen Pflegebedürftigkeit konfrontiert. Darum müssen wir heute diskutieren, wie die Versorgung morgen aussehen kann“, mahnt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP, am Montag in Berlin. „Insbesondere muss die nächste Bundesregierung Prävention und Reha sowie Teilhabe an der Gesellschaft für Pflegebedürftige besser ermöglichen“, so Suhr weiter.

Der Blick auf die demographischen Trends zeigt wie groß die gesellschaftliche Herausforderung Pflege tatsächlich wird. Immer weniger erwerbsfähige Menschen werden in Deutschland leben. Damit wird die Bevölkerungsbasis, die Pflege leisten oder finanzieren kann, immer schmaler. Schon heute bestehen in manchen Regionen erhebliche Versorgungslücken. Gleichzeitig wird bis zum Jahr 2060 mit ca. 9 Millionen über 80-Jährigen gerechnet. Damit würde sich die Gruppe der hochaltrigen Menschen – in der das Pflegerisiko besonders stark zunimmt – verdoppeln. Entsprechend wären dann etwa 4,5 Millionen Pflegebedürftige auf Unterstützung angewiesen. Heute sind es 2,9 Millionen.

Um einen Einblick zu erhalten, was aus Sicht der wahlberechtigten Bürger die besonders zentralen Aspekte einer guten Versorgung zuhause sind, hat das ZQP 2.000 Menschen befragt. Sehr wichtig waren den Studienteilnehmern beispielsweise eine gute pflegerisch-medizinische Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst (73 Prozent) oder eine gute Unterstützung im Haushalt (54 Prozent). Zudem spielen Aspekte der Mobilität und Teilhabe eine wichtige Rolle. So wünscht sich die Hälfte der Befragten (52 Prozent) eine altengerechte Infrastruktur, die Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglicht, sowie eine barrierefreie/-arme Wohnung (43 Prozent). Jedem Fünften (20 Prozent) ist es sehr wichtig, dass Angehörige an der Versorgung beteiligt sind – genauso vielen eine sorgende Nachbarschaft (19 Prozent).

Insgesamt ist die Verbesserung von Pflegequalität ein brisantes politisches Thema, das die Politik auch in der kommenden Legislaturperiode beschäftigen wird. Suhr hebt neben Prävention und Reha sowie Teilhabe eine weitere hoch bedeutsame Dimension der Versorgung Pflegebedürftiger hervor: „Eine zentrale Grundlage guter Pflege ist die Sicherheit der Pflegebedürftigen. Beispielsweise muss der Schutz vor Gewalt in der Pflege, vor Hygienemängeln oder Medikationsfehlern dringend verbessert werden. Hier gibt es noch sehr viel zu tun.“

Dringlich ist aus Suhrs Sicht auch, endlich eine für Verbraucher belastbare, nachvollziehbare Darstellung der Qualität professioneller Pflege zu schaffen: „In der kommenden Legislatur wird sich zeigen, ob die versprochene Reform der sogenannten Pflegenoten überzeugend gelingt. Wenn die Informationen solche Punkte nicht genügend erfassen, die für Verbraucher hoch relevant sind, bleiben sie unzureichend. Gerade Aspekte der Sicherheit wie die Gewaltprävention müssen darin stärker berücksichtigt werden. Außerdem wird sonst die Chance verspielt, endlich diejenigen hervorzuheben, die eine tolle Pflege leisten und vorbildlich arbeiten.“

In einer ZQP-Befragung des letzten Jahres hatte sich gezeigt, dass die Bevölkerung unsicher in Bezug auf die Pflegequalität in Deutschland ist und die derzeitigen Pflegenoten als wenig hilfreich eingeschätzt werden. Von denjenigen, die die aktuellen Noten kannten, glaubten lediglich 22 Prozent, dass diese verlässliche Informationen über die Pflegequalität bieten.

Die vollständigen Analysen sowie mehr zum Thema gibt es unter www.zqp.de.

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