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Am 22. August hat die Pflege Docu Day: Ab dann gibt es Dokumentation statt Patienten

21.08.2019 15:06
Nach einer Studie verbringen deutsche Pflegekräfte 36 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Bürokratie und Dokumentation*. Umgerechnet auf das Jahr bedeute dies, laut der Asklepios-Klinik-Gruppe, dass sie ab dem 22. August theoretisch keinen einzigen Patienten mehr, sondern ausschließlich Papier und elektronische Dokumentationen zu "pflegen" haben. Die zunehmende Dokumentation führe jedoch zu vermehrtem Stress und einer Belastung der Pflegekräfte. Denn ein fehlendes Handzeichen könne trotz durchgeführter Pflegeleistungen bereits zur Reklamation durch die Kostenträger führen, im schlimmsten Fall werde die Leistung sogar nicht bezahlt.

"Früher haben Krankenschwestern natürlich auch den Zustand des Patienten und die erbrachten Leistungen dokumentiert", sagt Thomas Krakau, Leiter Konzernbereich Pflege der Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA. "Heute, unter Einsatz moderner Computertechnik, ist der Dokumentationsaufwand aber nicht etwa vermindert, sondern aufwendiger geworden, so dass ein Drittel unserer Zeit dafür verloren geht." Allerdings koste die Dokumentation nicht nur Zeit, sondern sie belaste auch Pflegekräfte: In einer Asklepios Umfrage unter 240 Pflegekräften von 2017 lag mit 34 Prozent "zu viel Bürokratie/Dokumentationspflichten" als Top-Faktor für negativen Stress noch vor "Arbeitsverdichtung" (33 Prozent) und "zu wenig Zeit pro Patient" (29 Prozent). Vor allem Pflegekräfte, die 50 Jahre oder älter waren, empfanden die zunehmende Bürokratie als besonders starken Stressfaktor (42 Prozent). Bei Jüngeren war es noch knapp jede(r) Dritte. "Die Bürokratie macht den Pflegeberuf für viele insgesamt unattraktiv und dürfte zur Verschärfung des Mangels an Pflegekräften beitragen", vermutet Krakau.

Bereits bei der Aufnahme beginnen die Dokumentationen und damit Bürokratie: Pflegeanamnese, diverse Checklisten und Scores wie die Mobilitätsskala, die das Dekubitusrisiko (Wundliegen) erfasst, Mangelernährung, pflegerelevante Nebendiagnosen wie Delir, Demenz oder Inkontinenz gelte es zu erfassen, bevor die Pflege überhaupt begonnen werden könne. Bei besonders pflegeintensiven Patienten werde auch eine besonders aufwendige Dokumentation verlangt, und gerade hier bräuchte man die Zeit für die Pflege des Patienten. Verbessere sich der Zustand des Patienten, aber es stelle sich kurze Zeit später heraus, dass dies nur vorübergehend war, werde die Rückstufung oft nicht akzeptiert. Daher müsse alles lückenlos erfasst werden, damit die Klinik nicht durch ein fehlendes Handzeichen auf ihren tatsächlich entstandenen Kosten sitzen bleibe.

Übrigens war der Doctors Docu Day, wie die Klinik-Gruppe mitteilt, bereits am 25. Juli: Seitdem füllen Ärzte rein rechnerisch für den Rest des Jahres nur noch Formulare aus und dokumentieren, statt ihre Patienten zu behandeln.

*http://engage.nuance.de/himss-klinische-dokumentation

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