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Politischer Rückenwind für die Pflege notwendig

18.12.2017 09:51
"Die Pflege muss sich mit Blick auf bereits heute bestehende und zukünftig erkennbare Bedarfe dringend weiterentwickeln. Fachkräftemangel und drohende pflegerische Unterversorgung sind Szenarien, die - in verschiedenen Arbeitsfeldern und Regionen - bereits heute klar erkennbar sind", stellte Prof. Dr. Thomas Evers, Vize-Präsident für Studium und Lehre an der Hochschule für Gesundheit (hsg), am 15. Dezember in Bochum fest. Die Hochschule fordert eine zeitnahe Diskussion aller relvanten Akteure und zügige Umsetzung von Maßnahmen, um die pflegerische Versorgung sicherstellen zu können.

"Um diese Mammutaufgabe angehen zu können, reichen Einzelmaßnahmen jedoch nicht aus. Es bedarf einer konzertierten Aktion über alle beteiligten Bereiche und Akteure hinweg, um Pflege zukunftssicher und attraktiv gestalten zu können. Hier sind sowohl die Einrichtungsträger, die Kostenträger, die Politik, aber auch die Bildungs- und Forschungseinrichtungen gefragt", fügte Evers hinzu.

Auf den Umstand, dass in der Gesundheitspolitik in Deutschland einschneidende Maßnahmen erforderlich sind, weisen in diesen Tagen die unterschiedlichen gesellschaftlichen Akteure hin. Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) in Köln forderte beispielsweise einen dreischrittigen Masterplan Pflege für Deutschland, um die Dauerkrise in der Pflege zu beenden. Im zweiten Schritt wird der neuen Koalition vorgeschlagen, einen Runden Tisch einzurichten, an dem alle relevanten Akteure beteiligt sind. Genannt wurden Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen, den Sozialversicherungen, der Arbeitgeber und Gewerkschaften, aus Bildung und Wissenschaft sowie von Berufs-, Patienten- und Verbraucherorganisationen.

"Der von den Kollegen des dip vorgeschlagene Masterplan Pflege greift dabei wichtige Aspekte wie Arbeitsbedingungen oder Verdienstmöglichkeiten auf, um das Berufsfeld weiterentwickeln zu können. Aber auch der Beruf selber muss attraktiver gestaltet und an die gestiegenen Versorgungsanforderungen angepasst werden", sagte Thomas Evers.

Dabei verwies er auf die ab dem Jahr 2020 bestehende Möglichkeit, in der direkten Patientenversorgung tätige Pflegekräfte auch regelhaft hochschulisch ausbilden zu können. "Das ist ein wichtiger Faktor. Aber alleine durch die Tatsache, dass eine Ausbildung an einer Hochschule ermöglicht wird, wird sie nicht automatisch besser. Hier bedarf es auch einer Verständigung bzw. der Abstimmung gemeinsamer Qualitätsstandards hochschulischer Ausbildungswege, damit keine Mogelpackungen etabliert werden und künftig die bestmögliche Versorgung der Patient*innen sichergestellt werden kann", so Evers.

Durch den ergänzenden hochschulischen Ausbildungsweg gewinne das Berufsfeld an Attraktivität - in Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiger Baustein, um Pflege zukunftssicher gestalten zu können, sagte Prof. Dr. Markus Zimmermann, Dekan des Departments Pflege der hsg und setzte hinzu: "Jedoch bedarf es in diesem Zusammenhang auch entsprechend angepasster Verdienstmöglichkeiten für hochschulisch qualifizierte Pflegende."

Markus Zimmermann machte weiterhin deutlich, warum im Bereich der Pflege Forschungsaktivitäten gefördert werden sollen. "Um die angestrebte Versorgungsqualität solide in den Blick nehmen zu können, ist es zwingend notwendig, Forschungsprojekte zu fördern, die insbesondere den Nutzen pflegerischer Interventionen für den einzelnen Patient*innen fokussieren. Auch hier ist ein großer Nachholbedarf in Deutschland erkennbar. Während im europäischen Ausland und den USA Studien zeigen, dass eine höhere Quote von hochschulisch gebildeten Pflegenden einen positiven Einfluss auf das Überleben von Patienten im Krankenhaus hat, sind derartige Untersuchungen in Deutschland durch die geringe Zahl von Pflegenden mit Bachelor-Abschluss nahezu unmöglich", betont er.

Zimmermann: "Wir freuen uns als hsg und als neu gegründetes Department für Pflegewissenschaft die genannten Aspekte aktiv in die anstehenden Überlegungen zur Umsetzung des neuen Pflegeberufegesetzes und in die weitere anstehende und dringend notwendigen Diskussionen zur Weiterentwicklung der pflegerischen Versorgung in Deutschland einbringen zu können und hoffen auf politischen Rückenwind".

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