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Pflegegerechte Gestaltung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

12.02.2019 12:25
Welche baulichen Lösungen sind aus Sicht des Pflegepersonals und pflegender Angehöriger notwendig, um Badezimmer zu einem angemessenen Ort für die Pflegearbeit zu machen? Mit dieser angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland zentralen Fragestellung befasste sich ein Expertengremium im Rahmen der Studie „Pflegebad 2030“, deren Hauptinitiator der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) ist.

Pflege findet in Deutschland überwiegend – laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2017 zu 76 Prozent – zu Hause statt. Aufgrunddessen und angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland wird daher die pflegegerechte Gestaltung des privaten Wohnraums immer bedeutsamer.

Insbesondere Sanitärräume bildeten dabei eine Schlüsselrolle. Denn gerade das Badezimmer biete ein enorm hohes Risiko – sowohl für Menschen, die Pflegeunterstützung erhielten, als auch für jene, die als Angehörige oder ambulante Pflegekräfte Hilfeleistung in Sachen Pflege gäben. In der breit angelegten wissenschaftlichen Untersuchung wurden daher nach Angaben des ZVSHK in einer empirischen Befragung zahlreiche Informationen zusammengetragen. Aus den wichtigsten Ergebnissen und im Hinblick auf die Belastungs- und Gefahrenfaktoren wurden nach eigenen Angaben Gestaltungsleitlinien für die Zukunft des Badezimmers als Ort für die ambulante Pflege erarbeitet.

Drei Millionen Pflegebedürftigen – Tendenz steigend

Was also sind die Anforderungen an ein pflegeangepasstes Bad? Das Pflegebad sollte ergonomisch gestaltet und die Bewegungsfreiheit gewährleistet sein. Arbeitsutensilien sollten adäquat untergebracht sowie Temperatur, Belüftung und Beleuchtung entsprechend angepasst sein. Doch nur in etwa sechs Millionen der insgesamt 36 Millionen Wohnungen in Deutschland ist ein altersgerechtes Bad vorhanden, so der ZVSHK. „Und das bei drei Millionen Pflegebedürftigen und einer unaufhaltsamen demografischen Entwicklung dahingehend, dass die Menschen älter und auch hilfs- und pflegebedürftiger werden“, sagt Geschäftsführer Thilo Bräuninger von der Grip Safety Coatings AG. Auch er gehörte zum Expertengremium im Rahmen von „Pflegebad 2030“.

Als Leitlinien werden neben ausreichender Bewegungsfreiheit und Beleuchtung, zentralen Hygienefaktoren und minimierten Stufen oder Schwellen auch rutschfeste Bodenbeläge formuliert. Bräuninger: „Das ist tatsächlich eine der wichtigsten Handlungsempfehlungen, denn das Ausrutschen gehört zu den häufigsten Unfallursachen – und zieht oft schwere Verletzungen, leidvolle Krankenhausaufenthalte, langwierige Rehamaßnahmen oder sogar den Tod nach sich.“ Er wünscht sich daher eine stärkere Verzahnung von Pflege und Prävention: „Die optimale Gestaltung der Rahmenbedingungen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Als so genannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen können Menschen mit einem Pflegegrad gewisse Zuschüsse von der Pflegekasse erhalten. Im Idealfall allerdings sollten Bäder schon vor Eintreten einer Pflegebedürftigkeit seniorengerecht sein.“

Das Risiko auf einen Blick

Zentrale Aussagen der empirischen Befragung:

  • Durch situationsbedingte Unfälle im Badezimmer haben 15 Prozent der Pflegedürftigen bei der Pflege gravierende Verletzungen erlitten – mit entsprechenden Folgen für die Pflegebedürftigen.
  • Aufgrund unzureichender Ausstattung vieler Badezimmer hat fast die Hälfte (47 Prozent) des in häuslicher Pflege engagierten Pflegepersonals in der Ausübung ihres Berufes bereits leichte Verletzungen davongetragen haben.
  • Fast jede fünfte Pflegekraft (19 Prozent) hat sogar schon ernsthafte Verletzungen erlitten.

Eine Kurzfassung der Studienergebnisse zum „Pflegebad 2030“ finden Sie hier.

Hintergrund
Bei der Durchführung der vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) initiierten Studie beteiligten sich zahlreiche Kooperationspartner: Neben der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe e.V., der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e.V., dem Sozialverband VDK Deutschland e.V., der Johanniter Unfallhilfe e.V. und dem AWO Landesverband Thüringen e.V. waren auch Vertreter aus der Industrie und Gesundheitswirtschaft sowie vom Bundesministerium für Gesundheit beteiligt.

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