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DBfK Nordwest kritisiert Ausgestaltung des „Betrieblichen Pflegelotse“

16.10.2019 12:32
Kompetente Unterstützung im Betrieb für die Pflege zu Hause verspreche das neu geschaffene Angebot „betrieblicher Pflegelotse“ in Schleswig-Holstein. In 6-Stunden-Kursen sollen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Unternehmen geschult werden, um im Bedarfsfall erste Absprechpartner in den Betrieben für pflegende Angehörige in der Belegschaft zu sein. Was zunächst wie eine gute Lösung klinge, folgt nach Meinung des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest e.V., der immer wieder gleichen Haltung: in der Pflege spiele Kompetenz eine nachgeordnete Rolle – Hauptsache, die Kosten blieben niedrig.

Angesichts der Komplexität der Pflegesituationen, in der sich die individuell Betroffenen befinden, ist es nahezu vermessen davon auszugehen, dass in einem Sechs-Stunden-Kurs vermittelt werden, wie ein unterstützendes Erstgespräch kompetent zu gestalten ist. Eine große Herausforderung und Aufgabe in der Beratung von pflegenden Angehörigen ist es, deren oft emotionale Überlastung wahrzunehmen und darauf angemessen zu reagieren. Das kann von unzureichend geschulten Personen nicht erwartet werden, sondern wird sie sehr schnell an ihre eigenen Grenzen bringen.

„Wir verstehen den Ansatz, finden die Lösung aber völlig unzureichend. Was kann denn ein solcher Pflegelotse ohne fachliche Ausbildung und Beratungskompetenz ausrichten, außer vielleicht eine Telefonnummer weitergeben?“ fragt die stellvertretende Vorsitzende des DBfK Nordwest, Swantje Seismann-Petersen. Bestandteil der Schulung sind grundlegende Informationen zu den Leistungen der Pflegeversicherung, Tipps und Hinweise für die ersten Schritte beim Eintreten einer Pflegebedürftigkeit sowie Lösungsansätze, wie Betriebe und Verwaltungen proaktiv mit dem Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege umgehen können. Seismann-Petersen: „Wir glauben nicht, dass diese Inhalte in sechs Stunden vernünftig vermittelt werden können, so dass sie anschließend sinnvoll an pflegende Angehörige weitergegeben werden können.“

Um wirksam den Bedarfen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern begegnen zu können, bräuchte es nach Ansicht des DBfK Nordwest auch in Deutschland ein Angebot der betrieblichen Gesundheitspflege, nach dem Vorbild der Occupational Health Nurse: diese ist an Arbeitsstätten in den Arbeitsschutz eingebunden, aber auch kompetente Ansprechpartnerin für eine lebensweltbezogene Beratung zu allen Frage rund um die Pflege von Angehörigen. Die Occupational Health Nurse gehört in vielen Ländern zum etablierten Angebot und ist direkt in den Betrieben angesiedelt. Laut WHO sind Occupational Health Nurses die größte Gruppe der Gesundheitsfachberufe, die an den Arbeitsstätten eingebunden sind. Dass das Angebot hierzulande wenig diskutiert wird, korreliert mit der geringen Akzeptanz der Profession Pflege.

Es trage zur Attraktivität des Pflegeberufs bei, wenn Pflegende endlich auch in Deutschland international anerkannte Aufgabenfelder übernehmen. Vor dem Hintergrund des Mangels an Pflegefachpersonen und der aktuell unzureichenden Attraktivität des Pflegeberufs müsse dringend in solch neue Handlungsfelder für Pflegende investiert werden.

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