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So kann die "Konzertierte Aktion Pflege" gelingen

04.07.2018 17:49
Personalnot, schlechte Arbeitsbedingungen und eine enge Taktung bei den Patientenkontakten bestimmen den Alltag der Pflegekräfte in Deutschland. Angesichts dieser Probleme hat die Bundesregierung nun die "Konzertierte Aktion Pflege" gestartet, mit der Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Familienministerin Franziska Giffey und Arbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) die Situation verbessern möchten. Prof. Dr. Ulrike Höhmann, Inhaberin des Lehrstuhls für multiprofessionelle Versorgung chronisch kranker Menschen an der Universität Witten/Herdecke (UW/H), erläutert, worauf es ankommen wird, wenn die Probleme des Gesundheitssystems wirklich gelöst werden sollen.

"Der erste Schritt muss es sein, zunächst einmal die Rahmenbedingungen der Arbeit der Pflegekräfte zu verbessern. Das heißt: Wir benötigen mehr Personal, es darf keine unplanbaren Dienstzeiten mehr geben, d.h.die Pflegenden dürfen nicht ständig aus ihrer Freizeit heraus wieder in den Betrieb beordert werden."

Dazu gehöre ebenfalls, dass die gut ausgebildeten Pflegekräfte die Fähigkeiten, die sie in ihrer Ausbildung gelernt hätten, im Alltag auch umsetzen könnten. Prof. Höhmann: "In einer Studie haben wir herausgefunden, dass viele Pflegekräfte ihrem Beruf irgendwann den Rücken zukehren, weil ihr Arbeitsalltag sich nicht mit ihrem professionellen Ethos verbinden lässt. Es muss Zeit bleiben, mit den Patienten zu sprechen, ihnen in Ruhe beim Essen zu helfen, mit ihnen aufzustehen und herumzulaufen, mit Angehörigen in Ruhe zu sprechen, sie zu informieren und zu beraten. Das wird aber nur gelingen, wenn sich die Gesundheitseinrichtungen wieder darauf besinnen, wofür sie eigentlich da sind." So dürfe es nicht Hauptziel einer Einrichtung sein, mit der Pflege Geld zu verdienen. "Es muss darum gehen, Menschen ein lebenswürdiges Leben zu ermöglichen. Die Privatisierung von Gesundheitseinrichtungen mit dem Ziel, damit möglichst viel Rendite zu machen, sind damit nicht vereinbar", so Prof. Höhmann.

So sei es bedenklich, wenn in Anzeigen für besonders effiziente Geldanlagen Gesundheitseinrichtungen mit einer anvisierten Rendite von 4-6 Prozent im Moment recht weit oben rangierten. "Es geht nicht darum, dass mit Pflege kein Geld verdient werden soll", sagt Höhmann. Allerdings müsse sich dies in einem engen Rahmen halten und das grundlegende Ziel ein anderes sein. "Um es klar zu sagen: Wenn Gesundheitseinrichtungen als rein renditeorientierter Wirtschaftsbetrieb geführt werden, dann ist das schlicht unmoralisch. Für mich gehört die Gesundheit zu den Grundbedürfnissen der Menschen, so wie Luft, Wasser und Nahrung. Das darf nicht einem reinen Gewinnstreben untergeordnet werden."

In einem weiteren Schritt müsse es darum gehen, die Pflegeberufe allgemein attraktiver zu machen. "Die Pflege muss auch Menschen, die Karriere machen möchten, Angebote machen", so Höhmann. "Dazu braucht es nicht nur eine weitere Akademisierung der Pflege, sondern vor allem auch akademisierte Tätigkeiten, die das Personal ausüben kann. Sie müssen die Dinge, die sie im Studium gelernt haben, auch anwenden und autonom umsetzen dürfen." Dabei solle es aber auch nicht darum gehen, unqualifizierten Menschen aus der Pflege auszuschließen. "Es muss aber die Möglichkeit geben, sich weiter zu qualifizieren und neue Qualifikationsstufen zu erreichen. Wir brauchen eine klare Aufgabentrennung, nach Qualifikationsstufen. Da ist dann für alle Platz. Und auch das allein hilft nichts, wenn es keine Arbeitsplätze gibt, wo Pflegende ihr Wissen auch einsetzen können. Sonst bleibt es bei der Situation, dass manche Pflegende zwar studiert haben, aber nicht entsprechend bezahlt und dann auch noch sachfremd eingesetzt werden. Im Moment sind viele ausgebildete Pflegekräfte oft genug nur damit beschäftigt, Hilfskräfte anzuweisen. Diese wiederum fühlen sich dann häufig überfordert - und die ausgebildeten Pflegenden fehlplatziert. Hier muss noch viel passieren."

Der falsche Weg wäre laut der Pflegewissenschaftlerin, nun in großem Maßstab vergleichsweise kostengünstige Pflegekräfte aus anderen Ländern nach Deutschland zu holen. "Das wird das grundlegende Problem nicht lösen", sagt sie. "Vielmehr muss es darum gehen, den Beruf wieder so attraktiv zu machen, dass auch hierzulande die Menschen wieder bereit sind, eine Ausbildung in diesem Bereich zu absolvieren oder in ihren ursprünglichen Beruf zurückzukehren."

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