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Studie: Absolventen bringen erweiterte Kompetenzen in die Versorgung ein

04.11.2019 16:01
Absolventinnen und Absolventen der Modellstudiengänge Pflege, Hebammenkunde, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie finden zum Großteil den Weg in die patientennahe Versorgung. Das ist ein zentrales das Ergebnis der „VAMOS-Studie", einer vom nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium geförderten Verbleibstudie der Absolventinnen und Absolventen in Nordrhein-Westfalen, an der die hsg Bochum als koordinierende Stelle mitwirkte.

„Insbesondere für die Hochschule für Gesundheit sind die Ergebnisse dieser Studie sehr wichtig, da wir an der hsg Bochum von Beginn an alle fünf Modellstudiengänge angeboten haben, die im Rahmen der Studie wissenschaftlich erhoben wurden“, erklärte Prof. Dr. Anne Friedrichs, Präsidentin der hsg Bochum, am 4. November in Bochum und fügte hinzu, dass sie mit den Ergebnissen sehr zufrieden sei. Friedrichs: „Es stützt unsere langjährige Forderung, baldmöglichst alle Modellstudiengänge in Regelstudiengänge zu überführen, wenn deutlich wird, dass sich unsere Absolvent*innen erfolgreich in den Arbeitsmarkt integrieren und ihr Kompetenzprofil auch von Arbeitgeber*innen gefragt ist.“

Friedrichs betonte, dass insbesondere in den drei Therapieberufen Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie die Zukunft des primärqualifizierenden Studiums und die Weiterführung der Akademisierung noch offen sei, während die aktuelle Gesetzgebung in der Hebammenkunde eine vollständige Akademisierung und das Pflegeberufereformgesetz ab dem Jahr 2020 ein Hochschulstudium in der Pflege vorsehe.

Friedrichs: „An der hsg Bochum werden wir die Gesamt-Ergebnisse der Studie sowie die einzelnen Rückmeldungen der Absolvent*innen und Arbeitgeber*innen zum Anlass nehmen, um unsere Lehre mit den Ansprüchen beider Seiten abzugleichen und die Qualität der Lehre weiter zu verbessern. Es freut uns sehr, dass die Arbeitgeber*innen schon jetzt so zufrieden mit den Kompetenzen unserer Absolvent*innen sind und dass sie aus ihrer Sicht einen zusätzlichen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung leisten können.“

„Die Studie zeigt uns außerdem, welche Faktoren darüber entscheiden, wie langfristig Absolvent*innen in der Versorgung von Klient*innen bleiben und ob sie ihre Potenziale zur Verbesserung der Versorgungsqualität ausschöpfen können. Zu den wichtigsten Faktoren gehören hier die Handlungsspielräume – also zum Beispiel die Stellenprofile, die die Arbeitgeber*innen unseren Absolvent*innen zuweisen – sowie die Rahmenbedingungen, in denen sie arbeiten – und hiermit ist insbesondere die Vergütung gemeint“, erklärte Friedrichs. Die hsg Bochum werde weiterhin mit den Arbeitgeber*innen und Kooperationspartner*innen zu diesen Themen in einem engen Kontakt bleiben. „An diesen Stellschrauben muss weitergedreht werden“, so Friedrichs.

In der Studie VAMOS wurde der berufliche Verbleib der Absolvent*innen nach dem Abschluss eines Studiums in den Modellstudiengängen der Ergotherapie, Hebammenkunde, Logopädie, Pflege und Physiotherapie untersucht, die seit dem Wintersemester 2010/2011 an sieben Hochschulstandorten in Nordrhein-Westfalen angeboten werden. Die Studie, durchgeführt vom 1. Juli 2017 bis zum 30. Juni 2019, wurde durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW (MAGS NRW) gefördert. Der Forschungsverbund bestand aus sieben Hochschulen und drei Instituten. Im Rahmen einer Querschnittstudie wurden insgesamt 515 Absolvent*innen und 109 Arbeitgeber*innen befragt.

Die hsg Bochum wirkte im Forschungsverbund zur Umsetzung der Studie als koordinierende Stelle. Prof. Dr. Sven Dieterich (Professor für Gesundheitswissenschaften an der hsg Bochum und Leiter der koordinierenden Stelle) und Rüdiger Hoßfeld (wissenschaftlicher Mitarbeiter der koordinierenden Stelle) waren verantwortlich für die Koordination des Gesamtprojektes.

„Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass den Absolvent*innen in der Regel ein problemloser und einschlägiger Berufseinstieg gelingt. Dabei arbeiten sie in verschiedenen Arbeitsfeldern, wobei in jeder Berufsgruppe ein Arbeitsort – wir sprechen von ‚Setting‘ – klar dominiert. In der Pflege und in der Hebammenkunde arbeiten über die Hälfte der Absolvent*innen im Krankenhaus. In den Therapieberufen sind die meisten Absolvent*innen in einer ambulanten Therapiepraxis tätig“, fasste Dieterich zusammen. Dabei seien acht von zehn Absolvent*innen hauptberuflich in Stellen tätig, in denen sie vor allem klientennahe Aufgaben umsetzen.

„Diese klientennahen Aufgaben werden im Vergleich zu fachschulisch qualifizierten Kolleg*innen bei knapp zwei Drittel der Befragten durch besondere Aufgabenbereiche erweitert. So übernehmen die Hochschul-Absolvent*innen zum Beispiel besondere Aufgaben in den Bereichen Beratung, interprofessionelle Zusammenarbeit, Projektarbeit, wissenschaftliche Recherche oder Konzeptentwicklung. Außerdem bekommen sie als Expert*innen die Verantwortung für spezifische fachliche Themen zugewiesen“, so Dieterich. Dies sei aus seiner Sicht besonders erfreulich, da auch das Studium an der hsg Bochum und den anderen Modellstandorten in NRW genau diese Kompetenzen ausbildet.

In allen untersuchten Kompetenzfeldern in der beruflichen Praxis, wie zum Beispiel dem ‚Durchführen klient*innenbezogener Maßnahmen‘ oder ‚Schulen und Anleiten von Klient*innen‘ schätzen sich die Absolvent*innen als handlungssicher ein. Insbesondere im Kompetenzfeld der interprofessionellen Zusammenarbeit schätzen sie ihre Handlungssicherheit als besonders hoch ausgeprägt ein, erläuterte Dieterich. „Die befragten Arbeitgeber*innen nehmen bei den Absolvent*innen der Modellstudiengänge im Vergleich zu fachschulisch Ausgebildeten einen Kompetenzmehrwert wahr. Dieser zeigt sich am deutlichsten beim Planen, Steuern und Evaluieren von Behandlungs- beziehungsweise Pflegeprozessen sowie bei der Qualitätssicherung und -entwicklung und beim Recherchieren wissenschaftlicher Erkenntnisse“, führte der Gesundheitswissenschaftler aus.

Praktisch alle befragten Arbeitgeber*innen seien zufrieden mit ihrer Entscheidung, die Absolvent*innen der Modellstudiengänge eingestellt zu haben, setzte Rüdiger Hoßfeld hinzu. Neun von zehn Arbeitgeber*innen seien der Auffassung, dass die Kompetenzen der Absolvent*innen den Anforderungen der Berufspraxis entsprechen, und dass die Absolvent*innen einen spezifischen zusätzlichen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung leisten können. Hoßfeld: „Ein weiteres nennenswertes Ergebnis der Studie ist, dass nahezu alle befragten Arbeitgeber*innen angemessene Erwartungen aller Beteiligten, eine sorgfältige Einarbeitung, angemessene Arbeitsbedingungen sowie ein klares Stellenprofil für einen gelingenden Einstieg in den Beruf für wichtig halten. Sämtliche in der Online-Studie befragten Arbeitgeber planen für die Zukunft weitere Absolvent*innen einzustellen oder halten dies zumindest für möglich, wobei rund zwei Drittel der Arbeitgeber die Einstellungen konkret planen und ein Drittel möglicherweise einstellen wollen. Das ist insgesamt ein positives Signal und zeigt, dass unsere Absolvent*innen auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind.“

Fast jede*r zweite Absolvent*in zeigt nach den Ergebnissen der Studie ein konkretes Interesse an einem weiteren Studium. „Über alle Berufsgruppen hinweg wird dabei häufig Interesse an klinisch ausgerichteten Master-Studiengängen angegeben. Die Arbeitgeber*innen erkennen in einem an den Bachelor-Abschluss anschließenden Master-Studium zwar den potenziellen Nutzen, stehen diesem Interesse aber ambivalent gegenüber, da Master-Absolvent*innen möglicherweise nicht mehr in den klassischen Stellenprofilen eingesetzt werden könnten“, erklärte Sven Dieterich.

In hohem oder sehr hohem Maße zufrieden mit ihren derzeitigen Arbeitsstellen seien fast zwei Drittel der Absolvent*innen. Dieterich: „Erwartungsgemäß empfinden aber zwei Drittel der Absolvent*innen das Gehalt für die ausgeübte Erwerbstätigkeit als nicht angemessen.“

Der Forschungsverbund der Studie VAMOS bestand aus sieben Hochschulen und drei Instituten. Im Rahmen der Studie luden die Wissenschaftler*innen 1.124 Absolvent*innen der sieben Hochschulen, die in der Zeit von März 2014 bis zum Sommersemester 2017 ihr Studium in Nordrhein-Westfalen abgeschlossen hatten, zur Mitwirkung ein. Im Rahmen einer Querschnittstudie antworteten insgesamt 515 Absolvent*innen und 109 Arbeitgeber*innen.

Zum Forschungsverbund gehörten neben der hsg Bochum (koordinierende Stelle): Fachhochschule Bielefeld, Fachhochschule Münster, Fliedner Fachhochschule Düsseldorf, Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, praxisHochschule, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, Institut Arbeit und Qualifikation (Universität Duisburg-Essen), Institut Arbeit und Technik (Westfälische Hochschule) und das Institut für Bildungs- und Versorgungsforschung im Gesundheitsbereich der FH Bielefeld.

Der Verbund der Verbleibstudie wurde im Projektverlauf zudem durch weitere Perspektiven und Expertisen eines eigens eingerichteten Fachbeirats unterstützt, durch den insbesondere die Sichtweisen unterschiedlicher, im Gesundheitswesen tätiger Verbände, Berufsgruppen sowie potentieller Arbeitgeber*innen mit in die Studie eingebracht wurden. Eine gemeinsame Stellungnahme des Fachbeirats zur Verbleibstudie VAMOS steht zum Download bereit: www.hs-gesundheit.de/fachbeirat-stellungnahme

Der Abschlussbericht der Studie ist hier www.hs-gesundheit.de/vamos-bericht und hier https://url.nrw/vamos2019 online zu finden.

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