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Studie: Kliniken wollen 30.000 neue Pflegestellen schaffen

08.07.2019 11:09
Die Krankenhäuser in Deutschland stehen unter großem wirtschaftlichem Druck: Knapp ein Drittel schrieb 2018 Verluste, für 2019 rechnet fast jede zweite Klinik mit einem Defizit (47 Prozent) und nur noch knapp zwei Drittel (65 Prozent) erwarten steigende Umsätze. Im vergangenen Jahr waren es noch 82 Prozent. Trotz dieser Situation steht der sich verschärfende Fachkräftemangel und nicht Kosten- oder Ergebniszwänge ganz oben auf der Prioritätenliste verantwortlicher Krankenhausmanager, wie Roland Berger in der "Krankenhausstudie 2019" ermittelte.

Deutschlandweit wollen sie allein in der Pflege rund 30.000 Stellen bis Ende des Jahres aufbauen. Doch 2018 suchten nur rund 11.000 Fachkräfte eine Arbeitsstelle; Deutschland fehlen also aktuell bereits rund 20.000 qualifizierte Arbeitnehmer für die Pflege im Klinikbereich. Im Rahmen der Analyse haben die Experten der Unternehmensberatung Vorstände und Geschäftsführer der 400 größten deutschen Krankenhäuser befragt.

"Diese Zahlen verdeutlichen den akuten Personalmangel in deutschen Krankenhäusern", sagt Peter Magunia, Partner bei Roland Berger. "Das ist aber bei weitem nicht die einzige Herausforderung für die Kliniken: Demografischer Wandel und der medizinisch-technische Fortschritt haben die Umsätze steigen lassen. Doch diese Ära des Wachstums neigt sich dem Ende entgegen. Stagnierende Fallzahlen werden den Wettbewerb deutlich intensivieren und vermehrt zu Kooperationen oder Fusionen führen."

Attraktivere Ausbildung, gezieltes Marketing und ausländisches Personal für mehr Fachkräfte in der

Pflege

Der Fachkräftemangel betrifft sowohl kleinere Häuser in ländlichen Gebieten als auch größere mit Wachstumsambitionen. Den geplanten Stellenaufbau in der Pflege wollen sie mit vielseitigen Maßnahmen vorantreiben: "Verstärktes Marketing, attraktivere Konditionen, mehr Ausbildungsplätze sowie die Suche nach Personal aus dem Ausland stehen im Vordergrund", erklärt Oliver Rong, Partner bei Roland Berger.

Darüber hinaus, so die Studienautoren, könnte die "Generalistik"-Reform der Bundesregierung einen positiven Effekt nach sich ziehen. In ihrem Zuge werden ab 2020 drei verschiedene Ausbildungen zusammengelegt. Die Kliniken erhofften sich so, mehr junge Menschen für die Pflege zu begeistern.

Investitionen in Digitalisierung verfehlen die erhofften Effekte

Allerdings suchten die Kliniken noch nach den geeigneten Mitteln, um sich finanziellen Spielraum für die Ausgaben für Personal und Infrastruktur zu verschaffen. In diesem Kontext blicken die Befragten skeptischer als im Vorjahr auf Digitalisierungsmaßnahmen. Nur 72 Prozent der Verantwortlichen versprechen sich einen positiven Niederschlag in der Bilanz. Im vergangenen Jahr waren es noch ganze 93 Prozent.

"Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass Investitionen in die Digitalisierung in den vergangenen Jahren noch nicht den erhofften Erfolg erzielt haben", so Rong. Die digitale Transformation stellt nach Ansicht der Studienteilnehmer eine erhebliche Zusatzbelastung für die Organisation dar. Weiterhin bemängeln die Kliniken fehlende Standardisierung und politische Vorgaben in diesem Kontext.

"Interessant ist, dass die von uns befragten Krankenhäuser das größte Verbesserungspotenzial in ihrer strategischen Ausrichtung sehen, was sich auch mit unseren Erfahrungen deckt", erklärt Magunia. "Gerade Themen wie Standortwahl oder Medizinportfolio stehen hierbei im Fokus. Wollen die Kliniken diese Hebel zur Verbesserung ihrer Ergebnisse ausschöpfen, müssen sie allen voran ihre Ziele klar kommunizieren, um die eigenen Mitarbeiter als Unterstützer zu gewinnen."

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