Sie sind hier: Startseite News Attraktivere Karrierewege für die Pflege dringend gesucht
x
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Attraktivere Karrierewege für die Pflege dringend gesucht

02.03.2018 15:54
Die Übernahme von mehr Verantwortung durch professionell Pflegende im Versorgungsprozess ist eine zentrale Forderung, die im Manifest "Mit Eliten pflegen" der Robert Bosch Stiftung formuliert ist. In der am 1. März veröffentlichten Publikation, an der eine 40-köpfige Expertenrunde mitgearbeitet hat, fordern die Autoren beispielsweise eine geregelte Übernahme von ärztlichen Aufgaben im ländlichen Raum. Die Akademisierung spielt bei der Entwicklung eine zentrale Rolle.

"Wir brauchen dringend attraktivere Karrierewege in der Pflege. Dazu müssen wir das gesellschaftliche Bild der professionellen Pflege ändern, das im Moment häufig darin besteht, gebrechliche Menschen umzulagern und Essen zu reichen", sagt Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats und Mitglied der Expertengruppe der Robert Bosch Stiftung. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Umfeld von medizinischer Behandlung und Versorgung bei Pflegebedürftigkeit erheblich komplexer geworden. Hinzu komme, dass der Bedarf an pflegerischer Leistung in den kommenden Jahren rasant ansteigen werde. Die Versorgungsqualität hänge daher vor allem von der personellen Aufstellung in der professionellen Pflege und deren Qualifikation ab.

"Deutschland benötigt nicht nur mehr Fachpersonal in der professionellen Pflege, sondern auch deutlich mehr akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen in der direkten Versorgung", so Wagner. Bereits 2012 habe der Wissenschaftsrat deshalb eine Akademisierungsquote für die Pflege von 10-20 % empfohlen. Davon sei Deutschland aktuell weit entfernt.

Professionelle Pflege soll mehr Verantwortung übernehmen

Eine zentrale Forderung der Experten: Pflegefachpersonen soll die Verantwortung übertragen werden, die ihrer Qualifikation als Fachpersonal entspricht. Vor allem die professionelle Pflege könne einschätzen, was pflegebedürftige Menschen zur Bewältigung ihrer Situation benötigen. Sie müsse daher auch befugt sein, Versorgungsbedarf festzusetzen und Maßnahmen der häuslichen Krankenpflege festzulegen. Darüber hinaus empfehlen die Experten, Beratungsleistungen im allgemeinen Leistungskatalog der Pflege zu ergänzen. Das helfe vor allem älteren Menschen und chronisch Kranken, die häufig überfordert seien, wenn es darum gehe die vorhandenen Leistungsangebote zu überblicken, mit den Anforderungen der Therapie zurecht zu kommen oder an die nächste Grippeimpfung zu denken.

Ein weiterer Vorschlag betrifft die Sicherung der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Dort könne eine Pflegefachperson hausärztliche Routineaufgaben übernehmen, beispielsweise die Versorgung von Bagatellerkrankungen und die medizinische Basisversorgung bei Menschen mit chronischen Erkrankungen. Dies sei in vielen Ländern längst üblich.

"Es ist an der Zeit, dass Deutschland auch in der Pflege zu internationalen Standards aufschließt. Gerade was die Akademisierung anbetrifft, liegen wir weit hinter vielen Ländern zurück", sagt Uta-Micaela Dürig, stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung.

Sogar in Großbritannien, dessen National Health Service oft als Negativbeispiel herhalten müsse, sei die Situation in dieser Hinsicht deutlich besser. Speziell ausgebildete Pflegefachpersonen, sogenannte Clinical Nurse Specialists, betreuen dort ihre Patienten weitgehend selbständig und rufen den Arzt erst hinzu, wenn sich der Zustand verschlechtert. "Das Manifest soll aufzeigen, welche Voraussetzungen Spitzenpflege braucht und warum dringend mehr akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen in allen Bereichen der Versorgung notwendig sind. Wir hoffen, dass diese Botschaft gehört wird und die entscheidenden Personen zum Umdenken und zum Handeln anregt."

360° Pflege - In der Praxis erprobte Lösungsansätze für die Pflegebranche

Für das Manifest "Mit Eliten pflegen" hat die Robert Bosch Stiftung 40 Experten zusammengebracht. Dazu gehören Praktiker am Patientenbett oder mit Personalverantwortung, Pflegewissenschaftler, Ärzte, die das Thema mit interprofessionellem Blick bewerten und Vertreter der Branche wie Franz Wagner, der Präsident des Deutschen Pflegerats. Auf Einladung der Stiftung haben sie zuvor über zwei Jahre in einem Praxisprojekt mit dem Titel "360° Pflege - Qualifikationsmix für den Patienten" an Lösungen und Strategien gearbeitet, wie die Zusammenarbeit von Pflegefachpersonen mit unterschiedlichen Ausbildungen im Team besser gelingen und die Pflege durch neue Karrieremöglichkeiten attraktiver werden kann.

Der Titel des Manifests "Mit Eliten pflegen" knüpft an die im Jahr 1992 erschienene Denkschrift "Pflege braucht Eliten" der Robert Bosch Stiftung an. "Pflege braucht Eliten" war die Antwort auf den Pflegenotstand Anfang der 1990er Jahre. Der Pflegeberuf sollte durch Akademisierung wettbewerbsfähig, im internationalen Vergleich anschlussfähig und auf die Herausforderungen des demografischen Wandels vorbereitet werden. "Pflege braucht Eliten" gab den Anstoß für die Einrichtung einer Vielzahl von Pflegestudiengängen, insbesondere im Bereich Pflegemanagement und Pflegebildung.

Das Manifest "Mit Eliten pflegen" finden Sie online unter:

www.bosch-stiftung.de/pflegemanifest

Bild: Robert Bosch Stiftung

Artikelaktionen
abgelegt unter: ,
Editorial

RoskiHerausgeber
Prof. Dr.
Reinhold
Roski

 

Pflege als Beruf ist attraktiv und sinnstiftend

Tag Cloud
Termine
3. Summercamp „Das Deutsche Gesundheitssystem“ 20.06.2018 - 21.06.2018 — Berlin
„Pflegepersonaluntergrenzen – Chancen und Risiken für Patienten“ 20.06.2018 18:00 - 20:00 — Berlin
Grundwissen Medizin 28.06.2018 - 29.06.2018 — Berlin
Kodierung in der Chirurgie 28.06.2018 - 29.06.2018 — Berlin
Finanzierung der Pflege im Krankenhaus 11.09.2018 09:30 - 12:55 — Berlin
Kommende Termine…
« Juni 2018 »
Juni
MoDiMiDoFrSaSo
123
45678910
11121314151617
18192021222324
252627282930